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Archive for the ‘Varia’ Category

An jedem Morgen wurde Gottesdienst gefeiert, Licht entzündet, Einkehr gehalten, der Gegenwart Gottes in der Ruhe des Herzens Raum geschaffen. Meditative Kanones aus Europa und Indien, geschwisterliche  Atmosphäre und die Offenheit der Herzen gaben Gott die Ehre.

Zu den täglichen Festritualen gehörte später am Tage die „Happy Hour“, eine lockere Versammlung bei Bier, Whiskey, Fruchtsäften oder Limonaden und Knabbergebäck, welche den rituellen Übergang von einem straff geführten und eng gedrängten Konferenztag zum Abendessen und Tagesausklang gestaltete.

Die anglophone Disco- und Popmusik, mit der der Alleinunterhalter auf der Abendterrasse uns regelmäßig zu beglücken wusste, konnte – zum Glück – nach Umfang und Lautstärke auch immer wieder eingedämmt werden.

Indische Musik war leider nicht zu hören. Dafür nahmen Schwärme von Staren oder Elstern in den Mangroven ihren Platz, um sich auf alle Reste zu stürzen, die bei der Happy Hour oder dem anschließenden Abendessen übrig blieben. Hotel und Raubvögel bildeten so eine neue Symbiose, welche das gemütliche Beisammensein umrahmte und zu gelegentlichen Nässeeinlagen aus luftiger Höhe führte.

Festivität aller Festivitäten bildete natürlich der Festakt anlässlich des 75. Geburtstags von Francis D’Sa.

Mit liturgischer Gestaltung und akademischer Ehrung wurde ein formeller und würdevoller Rahmen geschaffen, in dem der Erzbischof von Goa die englische Fassung und der Erzbischof von Davoa die deutsche Fassung der Festschrift überreichte. Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, der die Publikation der Festschrift finanziell maßgeblich unterstützt hatte, bezeichnete Francis D’Sa in seinem Grußwort als „Prophet des Friedens“.

(c) Bernhard Nitsche, ESA Freiburg, Dezember 2011

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Mahalasa ist eine bedeutende Familiengottheit im Hinduismus. Sie gilt als Avatar von Vishnu und wird mit der Gestalt Mohinis als Avatar identifiziert. Ihre Verehrung wird besonders im Südwesten Indiens gepflegt.
In Goa gibt es daher eine große Tempelanlage zu ihren Ehren. Diese Tempelanlage wurde, wie uns als Europäer und Christen am Eingang sofort deutlich gemacht wurde, ursprünglich von den Portugiesen zerstört. Doch ist das nur die halbe Wahrheit. Denn zu portugiesischer Zeit wurde der Mahalasa Tempel zu einer großen Klosteranlage ausgebaut, deren Grundstrukturen noch heute die ganze Anlage bestimmen.

So kennt das zentrale Heiligtum, das wie ein barockes Kirchenschiff aufgebaut ist, einen umgebenden Platz mit Glockenturm sowie die Umfassung durch Klostergebäude, die ein großes Karree bilden. Im Zugang gibt es eine Gartenanlage mit aufsteigenden Treppen und innenliegendem Teich, der heute wieder für Reinigungsrituale genutzt wird. So kann die heutige Hinduistische Anlage nur verstanden werden, wenn sie in ihrer Grundstruktur als portugiesischer Klosterbau in den Blick genommen wird, der in der Mogulzeit seinerseits muslimisch umgearbeitet und ausgeschmückt wurde, bis er nun wieder ein hinduistisches Gepräge bekommen hat.

Da die Anlage mit vielen Treppen versehen ist, hatten Konni und die beiden Fahrer, die uns begleiteten, einiges zu tun. Eindrücklich bleibt mir vor Augen, wie ich mit dem Rollstuhl am Eingang des zentralen Heiligtums stehe und die Wächter in Dispute verfallen, ob ich, der ich meine Schuhe nicht ausziehen und meine Räder vom Rollstuhl nicht abmontieren kann (Was technisch natürlich möglich ist), in den Tempel eingelassen werde darf. Es war ihnen richtig anzusehen, wie sie in sich und mit sich und untereinander rangen und in Verhandlungen eintraten, ob dieser Besucher unter seinen Bedingungen überhaupt in der Lage ist, Mahalasa als Avatar Vishnus zu begegnen. Die innere Zerrissenheit der Aufseher und mein begrenztes Interesse, mich mit zerlegtem Rollstuhl in das Heiligtum zu begeben, schenkten mir eine Zeit der Stille und Betrachtung unter dem Schattendach neben dem wunderschönen, portugiesisch und muslimisch gestalteten Glockenturm.
Interessant auch das kurze Gespräch mit dem einzigen Priester, der in dieser Zeit auf dem Platz zu sichten war. Er erzählte, dass er mit vier anderen Priestern die Klosteranlage, die ursprünglich für 200-300 Mönche konzipiert war, bewohne. Darüber hinaus zeigte er die Sänfte und den Prunkwagen, mit dem jeden Sonntag eine feierliche Prozession vollzogen wird. In den umliegenden Häusern, so der Priester, leben rund 240 Hindus, die regelmäßig diese und andere Zeremonien mitvollziehen.

Dann wurde ich eingeladen, über den Seitenausgang des Priesterflügels das Kloster zu verlassen. Doch ein kurzer Erkundungsgang von Konni bestätigte meine Befürchtungen. Der Weg hinter dem Kloster war holprig und ungeebnet. Gemäß indischer Mentalität ist das Haus im Inneren sauber gehalten, doch stapelt sich der Abfall und Müll direkt hinter der Haus – bzw. Gartenmauer. Bevor ich also mich durch Müll und unwegsames Gelände bugsieren ließ, zog ich es vor, noch einmal die Tempelanlage zu durchqueren und mich über die Stufen der Eingangstreppe hinab, vorbei an Frauen mit Blumenopferbündeln und heiligen, schwangeren Kühen geleiten zu lassen.

(c) Bernhard Nitsche, ESA Freiburg, Dezember 2011

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Nach den Konsultationen und Festivitäten und einem Tag Pause entschlossen wir uns zu einer Tour durchs Ländle. Am Pausentag konnte ein Fahrdienst organisiert werden, der die hinteren Sitze eines Personenbusses ausbaute und zwei stabile Platten als Rampen mitbrachte. So war es möglich, von hinten her mit dem Rollstuhl über die Platten in den Bus hinein zu fahren. Da keine Guten vorhanden waren, war Erfindergeist gefragt. Zwei Ersatzreifen, die hinten im Bus einlagen und von der Raumtiefe zwischen Rollstuhl und Ladeklappe passten, ermöglichten dann eine gesicherte und gepufferte Fahrt. Zudem waren unsere beiden Fahrbegleiter freundlich und hilfsbereit.
Daher konnten wir als erste Station die Wallfahrtskirche des heiligen Franz Xaver ansteuern. Zunächst wurde ich vor dem Einlassbereich mit einem leichten baumwollenen Rundhut sowie mit einer ordentlichen Portion Sonnencreme versehen, um in der Strahlungshitze des Südens ohne Verbrennungen und ohne Hitzeschlag verweilen zu können. Unser Weg führte durch Verkaufsstände und durch eine Vielzahl von Blumenhändlerinnen und Kerzenverkäufern hindurch.

Im umzäunten, parkähnlichen Innenbereich der Wallfahrtskirche angelangt, steuerten wir auf die bunt geschmückten Überdachungen zu, welche den zahlreichen indischen Wallfahrern Schatten boten und den gottesdienstlichen Raum für die stündlichen Messfeiern unter freiem Himmel überspannten. Glücklicherweise hatte uns Francis eine jesuitische Begleitung organisiert. So mussten wir nicht orientierungslos auf dem Gelände uns unseren eigenen Weg suchen und in den langen Schlangen der Wallfahrer anstehen. Zügig wurden wir in das Innere der Kirche geschleust, die dem Heiligen Franz Xaver gewidmet und geweiht ist.

Über eine Odyssee von Gruften und Mausoleen sind seine Gebeine nun an diesem Ort in einem gläsernen Schrein zur Ruhe gekommen. Wundersam in Gold getaucht die Atmosphäre der Kirche aus der Kolonialzeit. Wundersam auch der Umstand, dass der Leichnam unter den Klimabedingungen der Subtropen und im Wandel seiner Lagerungsstätten vollständig erhalten ist. Wundersam, weil ohne Balsam und Mumifizierung. Das kann einen nachdenklich stimmen.
Nach einer Zeit der Stille und Andacht führte uns der Weg über eine riesige Anlage hinüber zum Dom, zu St. Franziskus und zum großen Garten, ein Dreierensemble, das heute Weltkulturerbe ist. Beeindruckend die großzügige Gestaltung der Anlage des Domes und der Franziskuskirche, zwischen deren Mauern sich heute eine Station für die Armenspeisung befindet.

Leicht und grün wippen die Palmen im sanften Wind, der über den Platz und den Garten weht.
Im Dom wieder alles in Gold gehüllt, so wie es einst in Portugal selbst in jeder kleinen Dorfkirche war. An der Decke ein Lüster, der jedem Prunkbau Ehren machen würde. Im Inneren gemalte Szenen des berühmten Apostels. Der große, helle und in Renaissancekassetten gestaltete Raum versprühte nicht nur südliche Atmosphäre, sondern schenkte auch eine erholsame Frische des Aufenthaltes. Und wieder im Garten bestachen die intensiven und satten Farben von Blumen und Palmen, von Rasengrün und blauem Himmel.
St. Franziskus hingegen ist zwar ausgemalt, aber doch verblichen. Der Raum wirkt monumental und zerschlissen. Was einst völlig abgebrannt, hier neu entstand. Doch ist nicht zu übersehen, wie die Zeichen der Zeit und die Wunden von Plünderungen das Bauwerk beschädigt haben. Zugleich die Erfahrung, dass mein Dasein im Rollstuhl die Blicke auf sich zieht.

(c) Bernhard Nitsche, ESA Freiburg, Dezember 2011

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Schließlich steht mir der Bericht eines Kollegen vor Augen, der mir im Zusammenhang unseres Gesprächs über Klimabedingungen und Gesundheit nicht nur erzählte, dass er den Jetset der Flugreisen und Konferenzen in Rücksicht auf sein Alter und den damit verbundenen Stress heruntergefahren habe. Er erzählte auch, wie er bei einer Videokonferenz erleben musste, dass einer seiner Gesprächspartner und Freunde in der Konferenz einen Herzinfarkt erlitt. So musste er bei laufender Kamera zusehen, wie sein Freund in der Livekonferenz zusammenbrach und nicht mehr handlungsfähig war. Dieses Sterben unter einer Herzattacke konnte er nicht verhindern und musste er mit ansehen, während er doch versuchte, durch Telefonate die unmittelbare Umgebung zu informieren und Hilfe zu organisieren. Doch am Ende kam alle Hilfe zu spät.

(c) Bernhard Nitsche, ESA Freiburg, Dezember 2011

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Eindrücklich wurde mir auch die Bedeutung der Topologie für Menschen aus sogenannten Naturvölkern bewusst. So erzählte ein australischer Kollege von seinen Begegnungen mit den Aborigines. Für diese ist die Erde, auf der sie leben, ein heiliger Ort, sodass jede Umsiedlung, der sie in der Vergangenheit unterzogen wurden, zugleich eine Beraubung von Identität, Heimat und Heiligtum wurde.
Zu dieser Erfahrung fügte sich nahtlos der Bericht einer anderen Teilnehmerin von den Menschen auf den Fidschiinseln an. Diese sind mit der Realität konfrontiert, dass ihre Inseln schrittweise untergehen. Mit jedem Zentimeter, um den der Meeresspiegel steigt, versinken die Inseln im Meer. Wenn der Meeresspiegel in den nächsten Jahren um wenige Meter gestiegen sein wird, werden die Inseln in der Stille und Tiefe des Ozeans versunken und verschollen sein. Dann gibt es keine Fidschianer mehr.
Die Angebote umliegender Staaten und Regionen sehen bisher nur die ethnisch und sozial aufgesplitterte Umsiedlung der Bewohner der Fidschiinseln vor. Diese haben daher beschlossen, dem ethnischen Genozid und der sozialen Zersplitterung durch halbherzige Umsiedlungsangebote zu widerstehen – in Treue zu ihrer heiligen Heimat.

Daher wollen sie eher den eigenen Untergang und das Verlöschen im Meer der ökologischen Katastrophen auf sich nehmen, als sich in ihrer Identität zersiedeln und dadurch zerstören zu lassen.

(c) Bernhard Nitsche, ESA Freiburg, Dezember 2011

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Frauen-Party am Strand

Lange noch beschäftigte mich eine Diskussionsrunde in meiner Kleingruppe, in der ein indischer Kollege die These vertrat, dass das Patriarchat in Europa wohl stärker ausgeprägt sei, als in Indien.

Auf meine Frage, wie es mit all den Fällen von Hausunfällen mit Todesfolge, mit der hohen Abtreibungsrate bei Mädchen und mit der selektiven Ausscheidung von Mädchen durch PID stehe, meinte er, dass dies allein ein ökonomisches Problem aufgrund der Mitgift sei. Doch das Beispiel der Mitgift ebenso das Beispiel der ungewollten Schwangerschaft zeugen nicht nur für den Grundsatz „Eltern haften für ihre Töchter“. Diese Realitäten sind Ausdruck eines strukturellen Patriarchats, das dem einen oder anderen Kollegen offensichtlich als solches gar nicht bewusst ist. Folgen die Eltern nicht dem Grundsatz „Eltern haften für ihre Töchter“, werden die Töchter also nicht von der Familie wieder aufgefangen, dann werden sie ausgestoßen, sind sie vom sozialen Tod bedroht. (vgl.: http://www.schattenblick.de)

(c) Bernhard Nitsche, ESA Freiburg, Dezember 2011

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