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Archive for the ‘Konzil und seine Texte neu entdeckt’ Category

Mit der Frage, wie das Konzil verstanden werden kann und rezipiert werden soll, wird zugleich die Frage beantwortet, wie die Zukunft der Kirche gestaltet sein wird. Der Bezug auf das Konzil ist in den Streit der Interpretationen eingesetzt. Grundsätzlich sollte eine angemessene Auslegung des Konzils und seiner Texte von vier Dingen nicht absehen:

  • Das Konzil kam unverhofft, diente der Öffnung und der Reform der Kircheund zielte ein dialogisches Weltverhältnissen an. Diese Grundanliegen von Öffnung, Reform und kritischer Zeitgenossenschaft sind auch bei der Auslegung der Texte des Konzils zur Geltung zu bringen.
  • Das Konzil hatte eine pastorale Zielsetzung. Nicht lehrhafte Abgrenzung, sondern gewinnende Zuwendung entspricht dem Grundcharakter des Konzils. Positive Kontaktaufnahmen und Kommunikationen, Empathie und Wertschätzung sind gefragt, nicht abgrenzende Bunkermentalitäten oder ausgrenzende Exkommunikationen.
  • Das Konzil stellt mit seinen Texten ein Ganzes dar, das nicht einfach durch selektive Zitate in Form der Steinbruchexegese beansprucht werden kann. Die Texte haben selbst eine Geschichte und einen Diskussionszusammenhang. Daher stehen die Dokumente in einem wechselseitigen Interpretationszusammenhang und dürfen die Kontexte bestimmter Formulierungen nicht übergangen werden.
  • Das Konzil ist durch eine theologische Entwicklung gekennzeichnet. Am Beginn wird das Leben aus der Quellkraft Gottes thematisiert, was die Liturgiekonstitution zur Sprache bringt. Am Ende wird der pastorale Grundduktus des Konzils unterstrichen und die Aufgabenstellung der Kirche in der Welt konkretisiert. Mit einer menschheitsuniversalen Christologie wird der Ort der Kirche in der Welt herausgestellt. Als Kirche in der Welt hat die Kirche den Kontakt mit der Welt in Form des Dialoges zu gestalten. Ziel dieses Dialoges ist es, für ein besseres, humaneres Leben einzutreten, dessen Leitbild in der wahren Menschlichkeit des Mensch gewordenen Gottes voraus verwirklicht ist.
  • Für den Streit um die Auslegung des Konzils bedeutet dies:
    • Wenn das Konzil an Vergangenes anknüpft und Vergangenes zitiert, so nimmt es dieses auf und stellt es doch in einen neuen Gesamtrahmen, in ein neues Licht und verändert damit die Interpretationsperspektive. Diese neue Rahmung missachtet, wer sagt, das Zweite Vatikanische Konzil müsse vom Ersten Vatikanischen Konzil her interpretiert und an dessen Intentionen zurückgebunden werden. Doch das hieße, die Geschichte gegen ihren Verlauf zu lesen. Hermeneutisch ist die Sachlage gerade umgekehrt. Das Zweite Vatikanische Konzil bietet den größeren Rahmen, innerhalb dessen auch die Texte des Ersten Vatikanischen Konzils neu justiert werden.
    • Innerhalb des wechselseitigen Interpretationszusammenhanges aller Konzilsdokumente kann weder die Rückbindung des pastoralen Anliegens an die liturgische Quelle und die dogmatisch-lehrhafte Selbstbestimmung aufgehoben werden, noch ist der Umstand zu bestreiten, dass es eine theologische Gesamtentwicklung des Konzils gibt, die so etwas wie eine innere Entwicklung dokumentiert und ihrerseits wegweisenden Charakter für die Zukunft hat.
    • (c) Bernhard Nitsche, ESA-Freiburg, Februar 2012

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