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Archive for the ‘Dokumente des Konzils – neu entdeckt’ Category

Dieses Konzil ist das erste Konzil in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche, das den Glauben der katholischen Kirche in der Gegenwart und im Blick auf den Dialog mit der Welt nicht in Abgrenzung und in Bruchstücken, sondern umfassend und positiv vorstellen will. So ist das Konzil und sind seine Texte eine Einladung, den katholischen Glauben neu zu entdecken und das Verhältnis von Kirche und Welt neu zu buchstabieren.

Das Konzil trägt die positive Handschrift des Gottvertrauens und der Zuversicht, aus der heraus Papst Johannes XXIII. es einberufen hat. Das Konzil zielt auf das Gespräch mit den Menschen der Welt, weil es Gott zutraut, unter allen Menschen, solche guten Willens zu finden, die bereit sind, an der neuen Wirklichkeit des Reiches Gottes mitzuwirken, die in einer sich globalisierenden Welt an einer neuen Verbundenheit und Solidarität arbeiten, in der die Menschen ihre fundamentalen Rechte zuerkannt bekommen; die an einer umfassenden Humanisierung des Menschen arbeiten, welche der Transzendenz-Offenheit des Menschen auf Gott hin, seiner Menschen-Verbundenheit über nationale Schranken hinweg und der Zukunfts-Verantwortung des Menschen gerecht wird.

Es ist ein Konzil, das sich nach außen richtet (ad extra). Doch geschieht dies in dem Bewusstsein, dass der Weltbezug und der Selbstbezug von Kirche (ad intra) sakramental zusammenhängen. Die Glaubwürdigkeit nach außen kann nur durch eine Glaubwürdigkeit im Innern – und umgekehrt – gewonnen werden.

Es sind vor allen Dingen drei Herausforderungen, auf die das Konzil nach dem Zweiten Weltkrieg und am Beginn der 1960-er Jahre eine Antwort sucht: die Herausforderung zu einer umfassenden Sicht der Kirche, die Herausforderung zu einer neuen Wertschätzung der anderen christlichen und religiösen Traditionen und die Herausforderung zu einem positiven Verhältnis zur modernen Welt und den Menschen in ihr.

Die Konflikte innerhalb der römisch-katholischen Kirche sind im Kern auch Konflikte um die angemessene Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils und seiner Wegweisungen. Nicht zufällig kreisen diese seit Jahren um die drei zentralen Problempunkte:

  • Welches Verhältnis wollen Katholiken und will die römisch-katholische Kirche zum modernen Menschen und zu seiner modernen Welt einnehmen?
  • Welches Verhältnis wollen Katholiken und will die römisch-katholische Kirche zu den anderen christlichen Gemeinschaften und Kirchen, sowie zu den Menschen anderen Glaubens oder anderer Weltanschauung realisieren?
  • Welches Selbstverständnis prägt Katholiken und die römisch-katholische Kirche im Innern und welcher Umgang, welches Selbst-Verhältnis verwirklichen sie nach innen und nach außen?

Es kann daher nicht verblüffen, dass die Traditionalisten der »Pius-Bruderschaft« bis heute genau diese drei Herausforderungen unter dem Banner für einen papalistischen Papst und einen konfessionalistischen Katholizismus ablehnen. Umgekehrt war es Karl Rahner, der bereits vier Tage nach Beendigung des Konzils prophetisch voraussagte: Es wird noch lange dauern »bis die Kirche, der ein II. Vatikanisches Konzil von Gott geschenkt wurde, die Kirche des II. Vatika­nischen Konzils sein wird«.

(c) Bernhard Nitsche, ESA-Freiburg, Februar 2012

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Mit dem Motu proprio »Tür des Glaubens« hat Papst Benedikt XVI. für Oktober 2012 ein »Jahr des Glaubens« angekündigt, zu dessen Ende auch die noch ausstehende Enzyklika zum Thema Glaube erwartet werden kann. Bestärkt werden sollen die Menschen ihr Herz von der Sehnsucht nach einem erfüllten Leben und der Gnade Gottes erfassen zu lassen, um bestärkt durch den Heiligen Geist den Schritt über die Schwelle in die Gemeinschaft mit Gott hinein zu wagen.
Weil der Glaube, obwohl vom Himmel geschenkt, nicht einfach vom Himmel fällt, hat er Ansatzpunkte in der Erfahrungswelt der Menschen, die für die Verheißungen Gottes ansprechbar machen. So kommt es darauf an, in den seismographischen Regungen der Biografie der Menschen, in den Höhen und Tiefen, in ihren lichten Glanzmomenten und abgründigen Dunkelheiten, Erfahrungen empfangener Liebe, erfüllender Freude und unverfügbarer Gnade zu entdecken und die Sensibilität für diese Momente zu wecken. In der Ansprechbarkeit offener Suchbewegungen kann der christliche Glaube aus einem kleinen Wagnis der Entdeckungsfreude, des Vertrauens und der Hoffnung heraus zu einem Vertrauensglauben in Hoffnung und Liebe werden, der in Gottes liebevoller Nähe und seiner unbedingten Zuwendung zu den Menschen Grund nimmt und Gehalt gewinnt.
So ist es Gottes Gegenwart im Geist, die uns um Worte ringen lässt, wenn die Schicksale der Welt uns sprachlos machen; wenn die Leiden einer Schöpfung in Geburtswehen uns klagen und zweifeln lassen, wenn die Mächte und Gewalten der Welt uns ratlos machen und die gewaltanfälligen Grausamkeiten der Menschen uns in Verzweiflung über den Menschen stürzen.
So ist es Gottes Gegenwart im Geist, die uns jubeln lässt, über die Zärtlichkeit der Liebe, die Kraft des Lebens und die Schönheit der Dinge; die uns jubeln lässt, wo Tränen getrocknet und Weinen in Lachen verwandelt, wo versteinerte Hartherzigkeit sich in sanfte Zuwendung und freie Spontanität hinein entwickelt, wo Trübsinn in Fröhlichkeit überwunden, verkrampftes Festhalten in erwartungsvolle Offenheit für Neues befreit wird; wo schließlich das Vertrauen in Gott als Grund des Lebens alle Ängste und alle Furcht überwindet, weil es in der Liebe, die Gott schenkt, keine Furcht gibt.
So ist Jesus Christus Bruder und Retter für die, die nicht wissen wozu ihr Dasein gut ist und wofür es sich im Leben lohnt, bereit zum Sterben zu sein; für die, die zweifeln, ob sich etwas Gutes in ihrem Leben findet, das Bestand haben kann, wenn das eigene Lebenslicht erlischt und der Leichnam in den Staub der Erde versenkt wird; die zweifeln, ob sie wert genug sind, im Bereich des Göttlichen leben zu dürfen, weil sie nie erfahren haben, liebenswert, wertvoll, begabt zu sein; für die, die nicht wissen, ob sie letztes Vertrauen haben dürfen und wirklich loslassen können, die nicht wissen, ob die Finsternis der Ängste und des Hasses oder die Banalität des Gewohnten in der Wiederkehr des Gleichen nicht mehr Sicherheit gibt, als das Wagnis des Vertrauens, das Wagnis der Liebe, das Wagnis des Lebens in der Hoffnung auf Gott.
So ist Jesus Christus Bruder und Retter für die, die gering geachtet, die ausgegrenzt, misshandelt, gefoltert, verspottet, verkauft und verlassen wurden. Sein Schicksal und Martyrium als der Gerechte, der zu Unrecht verurteilt und hingerichtet wurde, wird so zum Wasserzeichen derer, deren Mund zum verstummen gebracht wurde, deren Gesichter den Schrei des Leidens und Wehklagens in sich tragen und deren Geschichten der Sehnsucht nach einem Leben in Fülle, aber auch den Klagen über die Ungerechtigkeiten dieser Welt ein Angesicht geben.
Um das Anliegen, den Glauben wach zu rufen und zu vertiefen, zu unterstützen, werden in diesem Blog zwei neue Bereiche eröffnet.

  • Es werden zum fünfzigjährigen Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) sukzessive wichtige Aussagen und Abschnitte des Konzils in Erinnerung gerufen und in ihren Potenzialen vorgestellt.
  • Es wird der – obwohl in die Jahre gekommene, dennoch ansprechende – Glaubenskurs der katholischen Glaubensinformation eingestellt und der Weltkatechismus verlinkt.
  • Es werden ergänzend wiederkehrende und heikle Fragen des katholischen Glaubensverständnisses aufgenommen. So z.B. das »Schweigen Gottes« in der Moderne, das in den Zeugnissen des Gottesverlustes bei Friedrich Nietzsche, der Gottesfinsternis bei Therèse von Lisieux oder in der Gottesvergessenheit moderner Lebenswelten ihren Ausdruck findet.

(c) Bernhard Nitsche, ESA Freiburg, Januar 2012

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