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Archive for April 2012

»Am Anfang war das Geschenk.
Und das Geschenk war von Gott,
und das Geschenk war«

die Gegenwart Gottes vor und über uns,
Geheimnis unauslotbar, Quelle und Ur-Sprung,
jenseits von Nichts und Sein, unverfügbar.

die Gegenwart Gottes über und unter uns,
aus dem Ur-Sprung hervorgegangene Fülle des Seins,
All des Alls und Wahrheit in Treue,

die Gegenwart Gottes über und in uns,
reine Gabe und Barmherzigkeit,
all-belebend, all-versöhnend, all-ermächtigend.

 Als Gegenwart und Dasein
unerforschlichen Ursprungs und unermesslicher Güte,
höchsten Seins und tiefster Wahrheit,
belebender Macht und vollendender Dynamik,
schlug das Geschenk sein Zelt unter uns auf
– erschreckend und faszinierend:

 »Zuerst in Form eines Feuerballes,
der 750 000 Jahre lang unvermindert brannte
und in seinem ungeheuer heißen Ofen
Hadronen und Leptonen kochte.
Diese Gaben fanden gerade genug Stabilität,
um die ersten atomaren Geschöpfe zu gebären,
Wasserstoff und Helium.

Eine Milliarde Jahre des Kochens und Brodelns,
bis die Begabungen des Wasserstoffs und Heliums
Galaxien gebaren – wirbelnde, sausende, lebendige Galaxien,
die Billionen Sterne schufen,
Lichter in den Himmeln und kosmische Brutöfen,
die neue Geschenke entstehen ließen
durch gewaltige Explosionen riesiger Supernovas,
in einem Glühen aufflackernd
heller als eine Million Sterne.

Geschenke über Geschenke,
Begabungen gebärende Gaben,
explodierende Gaben, implodierende Gaben,
Geschenke des Lichts, Geschenke der Dunkelheit,
kosmische Begabungen und subatomare Begabungen.
Treibend alles und wirbelnd, geboren und sterbend,
in einem ungeheuren geheimnisvollen Plan
– auch dieser ein Geschenk.
Eine dieser Supernovas explodierte auf eigene Art
und sandte eine einzigartige Gabe ins Universum
– von später folgenden Geschöpfen genannt Erde,
ihre Heimat, ihre Biosphäre, ein Geschenk für sie –
hüllt sie ein in Schönheit und Würde
und genau den rechten Schutz vor der Sonnenstrahlung,
vor kosmischer Kälte und vor ewiger Nacht.
Der so begabte Planet wurde als ein Juwel
in eine ausgezeichnete Umgebung gesetzt,
in genau 100 Millionen Meilen Entfernung
von seinem Mutterstern, der Sonne.

Neue Begabungen entstanden,
in ihrer Gestalt neu im Universum
– Felsen, Meere, Kontinente,
vielzellige Geschöpfe, beweglich aus eigener Kraft.
Leben war geboren!
Geschenke aus dem Stoff von Feuerball und Helium,
Galaxien und Sternen, Felsen und Wasser
nahmen nun die Gestalt des Lebens an!
Leben – ein neues Geschenk [des geschenkten] Universums,
eine neue Begabung im Universum.
Blumen vielfältiger Farben und Düfte, aufrechte Bäume.
Wälder entstanden und boten Raum
für alle Formen kriechender und krabbelnder Wesen.
Wesen, die fliegen und singen.
Wesen, die schwimmen und rutschen.
Wesen, die auf vier Füßen laufen.

Und schließlich –
Wesen, die stehen und auf zwei Beinen gehen.
Mit beweglichen Daumen für weitergehende Kreativität
– für noch mehr Begabungen.
Der Mensch wurde ein Geschenk und eine Bedrohung.
Denn seine Schöpferkräfte waren einzig in ihrem Potential
zur Zerstörung und zur Heilung.«
Obwohl zur königlichen Pflege und Fürsorge eingesetzt,
konnte sein Handeln pervertieren
zur bemächtigenden und überfordernden Geste dessen,
der Ursprung, Fülle und Vollendung schlechthin ist.
So entstanden Fragen des Menschen an sich selbst:
»Wie würde er diese Begabungen anwenden?
Welche Richtung würde er einschlagen?
Die Erde erwartet die Antwort auf diese Fragen.
Und sie wartet noch.
Zitternd.
Lehrer wurden gesandt, Verkörperungen des Göttlichen,
aus Erde geboren –
Isis und Hesiod, Buddha und Laotse,
Mose und Jesaja, Sara und Esther,«
Johannes »und Paulus, Maria und Hildegard,
Häuptling Seattle und die Büffelfrau –
um die Menschen Wege des Mitgefühls zu lehren.«

Doch dann kam einer,
ein Mensch wie wir und doch der eine Mensch für alle,
Erstgeborener des Alls und Anführer zum Leben,
Antlitz der Liebe und Ebenbild des Unsichtbaren.
In ihm verstanden wir Wertschätzung und Vergebung,
Gerechtigkeit und Frieden,
Schwestern und Brüder, Kinder Gottes zu sein.
Er wurde zum Zeugen der Güte,
zum Boten der Wahrheit,
zum Künder der Vollendung
– unüberbietbare Gabe und Gegenwart Gottes:
Gnade über Gnade.

Doch »immer noch wartet die Erde,
ob die Menschheit ein Geschenk sei oder ein Fluch.
Zitternd.
Hast du je ein Geschenk gegeben und es später bereut?
Die Erde grübelt und wartet.
Denn das Geschenk ist Fleisch geworden
und wohnt überall unter uns,
und wir neigen dazu, es nicht zu kennen.«
Und wir behandeln die Gaben des Alls –
Leben und Ermächtigung, Liebe und Gerechtigkeit,
Solidarität und Gemeinschaft, Freude und Hoffnung,
zuwendungsvolle Güte,
wegweisende Wahrheit
und vollendende Dynamik,
nicht wie Gaben und Begabungen
im Universum als der Galaxie Gottes,
sondern als Objekte,
verfügbarer Lebensformen,
verfügbarer Handlungsformen,
die wir benutzen, missbrauchen,
niedertreten – ja kreuzigen.

Jenen aber, die das Geschenk mit Ehrfurcht empfangen
und Hüter des Lebens sind, ist alles verheißen.
Alle werden sie Kinder Gottes und der Erde heißen,
Söhne der Gerechtigkeit und Töchter der Gnade,
Kinder des Lichts.
Durch alle Generationen und alle Evolutionen hindurch,
bis alles in allem
und das Geschenk des Alls
durch Gott und in Gott vollendet ist.

(c) Hymnus von Matthew Fox, überarbeitet und erweitert von Bernhard Nitsche, April 2012.

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